Die jüngeren architektonischen Interventionen Claus Prokops verweisen –
wie sein malerisches Werk – auf die Erforschung von Flächen als tektonische
Strukturen, auf das Spielen mit dem Zufall, dem die Entscheidung über
das Wahrgenommene überlassen wird, und auf das Hauptcharakteristikum
seiner Arbeit: Das systematische, serienmäßige Wiederholen eines Elements,
das gemalt, gefilmt oder digital reproduziert auftritt.

Prokop verwendet die Durchsichtigkeit der Glaswände, um Flächen herzu-
stellen, die den Raum öffnen und das, was man durch sie hindurch wahr-
nimmt, integrieren. Wie in seinen Gemälden seriell wiederholte Elemente
durch das Aufeinanderlegen verschiedener Farbschichten entstehen, so
interveniert der Künstler bei den Glaswänden mittels aufgedruckter Motive,
die jeweils unterschiedliche Grade an Durchsichtigkeit aufweisen, wobei
diese Wände sich für den Blick als Durchgänge nach außen beziehungsweise
innen präsentieren; die serienmäßig angeordneten Motive entstehen zuweilen
aus Fragmenten von Prokops eigenen Gemälden, die er fotografiert, foto-
kopiert und digital reproduziert.

Dieses visuelle Spiel findet sich auch in Videoarbeiten, für die Super 8-
Aufnahmen verwendet wurden; wie zum Beispiel in jener, wo das Kommen
und Gehen des Straßenverkehrs und der Passanten durch eine mit seriell
wiederholten Motiven bedruckte Glaswand hindurch betrachtet wird.
Das gesamte Werk Claus Prokops – von den Gemälden auf Leinwand bis
zu den Interventionen architektonischen Charakters und den filmischen
Arbeiten – zeigt sich als ein inhaltlich zusammenhängender Loop, der bei der
Behandlung von Oberflächen deren Zusammensetzung aus unterschiedlichen
Schichten in den Mittelpunkt rückt und den Übergang von der statischen
Wahrnehmung, die für traditionelle Medien wie die Malerei kennzeichnend
ist, bis hin zur variablen, vom Zufall bestimmten Wahrnehmung, welche die
neuen Medien ermöglichen, bezeugt.

Pia Jardí 2007