Die Ausstellung „Modus Moduli“ geht von der Idee des Moduls aus, die aus der klassischen Architektur stammt. Die Idee des Moduls beginnt bei den so genannten „Säulenordnungen“. Er tritt in der Architektur der Renaissance deutlich hervor und spielt auch noch bei den allzu-schwärmerischen Bauten des Historizismus seine Rolle. Der Modul war jene Einheit einer architektonischen Struktur, deren Maß die Maße des Ganzen bestimmte. Die Abhandlungen der Antike erläutern, dass der Modul der Teil des Bauwerks war, dessen Maß dividiert, verdoppelt oder multipliziert wurde, um die Maße der anderen Elemente der architektonischen Struktur – inklusive der Höhe und der Ausladung – zu erhalten. Dem lag das hierarchische Prinzip der Proportion zu Grunde. In einer theoretischen Abhandlung erklärt Vitruv, das Prinzip der Proportion bestünde darin, dass bestimmte Teile in einem genau festgesetzten Maß-Verhältnis zum Ganzen stehen müssten (1). Verschiedene Systeme und Theorien betreffend die Proportion sind überliefert: Am Anfang war der Gedanke, die Proportion sei der Schlüssel zur perfekten Schönheit. In diesem Gedanken gründet viel von der klassischen Architektur und Kunst. Im 20. Jahrhundert wandte Le Corbusier eine Auffassung von Proportion an, die mehr Bezug zu rationalistischem Denken und zur Nützlichkeit hatte.
Der Terminus Modul bezeichnet in der Architekur der Gegenwart das standardisierte Element, welches – sich in regelmäßigen Abständen oder in rhythmischer Abfolge wiederholend – das Ganze eines Bauwerks nach Außen hin formal gestaltet. Im Unterschied zum oben beschriebenen antiken Begriff Modul, ist dieses Modul der Gegenwart Teil einer Struktur von Verhältnissen ohne hierarchische Anordnung. Den Bauhaus-Postulaten verpflichtet, zeigt der Großteil der Architektur der Gegenwart klare, schmucklose Formen, die – von den An- und Verbindungen eines Moduls ausgehend – die Verhältnisse unterschiedlicher Volumina zueinander oder die Beziehung zwischen Innen- und Außenräumen erkunden. Dieser Modul, verstanden als der standardisierte und vereinheitlichte Teil eines Ganzen, ist ein repräsentatives Symbol und Thema der Ausstellung „Modus Moduli“.
„Modus Moduli“ lädt dazu ein, sich über Architektur Gedanken zu machen; nicht über die Architektur, die wir bewohnen, sondern über die Architektur, vor deren Hintergrund wir uns von Ort zu Ort begeben, die wir umrunden, durchqueren, sehen. Es ist die Architektur der Fassaden, die Architektur, die wir visuell erfahren. Sie gleicht einer Theater- oder Filmszenerie, vor deren Hintergrund sich unsere tägliche Wirklichkeit abspielt.
Diese urbanen architektonischen „Kulissen“, die Szenerie der heutigen Stadt, ist eine eindeutige Metapher für die Gegenwart. Es geht nicht um die historische hierarchische Stadt – die „Panorama-Stadt“ oder die „Museum-Stadt“ (2), die in Reiseführern und auf Postkarten als einmalig dargestellt wird. Es geht um die „Standard-Stadt“ – postmodern, hybrid und ohne eigene Persönlichkeit.
Die Fassaden der urbanen Architektur der Gegenwart, ebenso wie die Außengestaltung neuer Infrastruktur, sind ein plastisches Abbild der Dynamik der postindustriellen Gesellschaft der Gegenwart und ihrer Kultur inklusive unserer veränderten Welt-Wahrnehmung und Alltagspraktiken. In dieser Gesellschaft verschnellert sich der Verkehr von Personen, Waren und Kapital sowie der Austausch von Informationen. Die Zentren wirtschaftlicher und politischer Macht – miteinander vernetzt und wechselseitig voneinander abhängig – dezentralisieren sich zusehends um neue Modelle, Macht zu organisieren und einzusetzen, zu schaffen (3). Diese Gesellschaft wird durch die Fernseh-Kultur standardisiert und durch die sportlich-künstlerischen Großereignisse und den Tourismus vermasst; diese Phänomene bringen eine Vereinheitlichung der Einstellungen, Denkmuster und der Ideologien mit sich. Diese Gesellschaft hat über das Internet Zugang zu stets wachsenden Informationsquellen, hinterfragt aber gleichzeitig – mittels des so genannten „postmodernen Denkens“ – das hierarchische, etablierte und institutionalisierte Wissen und untergräbt gerade von Seiten der wissenschaftlichen und akademischen Instanzen aus dessen Autorität.
Die globale Wirklichkeit der postindustriellen technologisierten Gesellschaft der Gegenwart und ihrer postmodernen Kultur zeigt sich als ein nicht-hierarchisches, entterritorialisiertes und standardisiertes Ganzes. Und die Stadt – als Ort ständiger Veränderung, wo viele neue Formen sozialer Kohäsion entstehen – wird als fragmentierte, dynamische und vernetzte Wirklichkeit erfahren, ebenso wie die plastischen Formen ihrer Architektur.
Pia Jardí 2006
Der Terminus Modul bezeichnet in der Architekur der Gegenwart das standardisierte Element, welches – sich in regelmäßigen Abständen oder in rhythmischer Abfolge wiederholend – das Ganze eines Bauwerks nach Außen hin formal gestaltet. Im Unterschied zum oben beschriebenen antiken Begriff Modul, ist dieses Modul der Gegenwart Teil einer Struktur von Verhältnissen ohne hierarchische Anordnung. Den Bauhaus-Postulaten verpflichtet, zeigt der Großteil der Architektur der Gegenwart klare, schmucklose Formen, die – von den An- und Verbindungen eines Moduls ausgehend – die Verhältnisse unterschiedlicher Volumina zueinander oder die Beziehung zwischen Innen- und Außenräumen erkunden. Dieser Modul, verstanden als der standardisierte und vereinheitlichte Teil eines Ganzen, ist ein repräsentatives Symbol und Thema der Ausstellung „Modus Moduli“.
„Modus Moduli“ lädt dazu ein, sich über Architektur Gedanken zu machen; nicht über die Architektur, die wir bewohnen, sondern über die Architektur, vor deren Hintergrund wir uns von Ort zu Ort begeben, die wir umrunden, durchqueren, sehen. Es ist die Architektur der Fassaden, die Architektur, die wir visuell erfahren. Sie gleicht einer Theater- oder Filmszenerie, vor deren Hintergrund sich unsere tägliche Wirklichkeit abspielt.
Diese urbanen architektonischen „Kulissen“, die Szenerie der heutigen Stadt, ist eine eindeutige Metapher für die Gegenwart. Es geht nicht um die historische hierarchische Stadt – die „Panorama-Stadt“ oder die „Museum-Stadt“ (2), die in Reiseführern und auf Postkarten als einmalig dargestellt wird. Es geht um die „Standard-Stadt“ – postmodern, hybrid und ohne eigene Persönlichkeit.
Die Fassaden der urbanen Architektur der Gegenwart, ebenso wie die Außengestaltung neuer Infrastruktur, sind ein plastisches Abbild der Dynamik der postindustriellen Gesellschaft der Gegenwart und ihrer Kultur inklusive unserer veränderten Welt-Wahrnehmung und Alltagspraktiken. In dieser Gesellschaft verschnellert sich der Verkehr von Personen, Waren und Kapital sowie der Austausch von Informationen. Die Zentren wirtschaftlicher und politischer Macht – miteinander vernetzt und wechselseitig voneinander abhängig – dezentralisieren sich zusehends um neue Modelle, Macht zu organisieren und einzusetzen, zu schaffen (3). Diese Gesellschaft wird durch die Fernseh-Kultur standardisiert und durch die sportlich-künstlerischen Großereignisse und den Tourismus vermasst; diese Phänomene bringen eine Vereinheitlichung der Einstellungen, Denkmuster und der Ideologien mit sich. Diese Gesellschaft hat über das Internet Zugang zu stets wachsenden Informationsquellen, hinterfragt aber gleichzeitig – mittels des so genannten „postmodernen Denkens“ – das hierarchische, etablierte und institutionalisierte Wissen und untergräbt gerade von Seiten der wissenschaftlichen und akademischen Instanzen aus dessen Autorität.
Die globale Wirklichkeit der postindustriellen technologisierten Gesellschaft der Gegenwart und ihrer postmodernen Kultur zeigt sich als ein nicht-hierarchisches, entterritorialisiertes und standardisiertes Ganzes. Und die Stadt – als Ort ständiger Veränderung, wo viele neue Formen sozialer Kohäsion entstehen – wird als fragmentierte, dynamische und vernetzte Wirklichkeit erfahren, ebenso wie die plastischen Formen ihrer Architektur.
Pia Jardí 2006