CLAUS PROKOP – WIEDERHOLUNG ALS DIFFERENZ

 

MUSEUM ANGERLEHNER (SALON)

ERÖFFNUNG: SA., 13. SEPTEMBER 2025, 15 UHR

 

KURATOR: ANTONIO ROSA DE PAULI

 

Mit der Ausstellung Wiederholung als Differenz widmet sich das Museum Angerlehner im Salon dem vielschichtigen Werk des österreichischen Künstlers Claus Prokop. Diese erste museale Einzelausstellung bietet nicht nur Einblick in seine einzigartige formale sowie konzeptuelle Bildsprache, sondern offenbart auch den künstlerischen Umgang mit dem Prinzip der Wiederholung, das – entgegen seiner vermeintlichen Einfachheit – zur Grundlage komplexer Bildkompositionen wird. Der Titel verweist dabei auf die zentrale Fragestellung des Künstlers nach der Wirkung von Wiederholung als stets differente Struktur im Raum.

 

Prokops künstlerisches Oeuvre bewegt sich an der Schnittstelle zwischen Malerei, Skulptur und raum- sowie ortsbezogener Installation. Bereits in früheren Werkgruppen wie Winterwhite Landscapes, Plywoods oder Pumpkins on the Field auf Holz oder Leinwand, wird eine strukturelle Logik erkennbar, die über eine bloße formale Abstraktion hinausgeht. Die Bildkompositionen erscheinen als dichte visuelle Systeme, in denen sich das Serielle nicht als einfache Aneinanderreihung manifestiert, sondern als Reflexionsform über bildnerische Prozesse selbst. Auch die Verwendung alltäglicher, teils wiederverwendeter Materialien ist dabei nicht pragmatisch motiviert, sondern als Teil einer konzeptuell begründeten Strategie zu verstehen, in welcher eine formale Strenge, gerade aus der Materialität, an struktureller Klarheit gewinnt.

 

Wiederholung als Differenz setzt den Fokus vor allem auf Prokops aktuellsten Arbeiten auf Aluminium, in welchen rasterhaft gesetzte geometrische Strukturen die Oberfläche überziehen. Sie sind Resultat komplexer digitaler Entwurfsprozesse, in denen der Künstler in minutiöser Feinarbeit geometrische Formen wiederholt, skaliert, verschiebt und durch kleinste Modifikationen immer neue Varianten erzeugt. Diese minimalen Abweichungen und fein gesetzten Störungen schaffen den Anschein von Momentaufnahmen des Zufalls, natürlich Geschehenes, an der Grenze zwischen kalkulierter Struktur und emergenter Instabilität.

 

Ein theoretischer Schlüssel zum Verständnis dieser Arbeitsweise findet sich in Gilles Deleuzes Buch „Differenz und Wiederholung“¹, in welchem Wiederholung niemals als bloße Reproduktion, sondern als Differenz erzeugendes Prinzip gesehen wird, welches Abweichungen, Verschiebungen und Neuordnungen hervorbringt. Was in Prokops Arbeiten auf den ersten Blick als identisches Formelement erscheint – ein Kreis, ein Raster, ein lineares Ordnungsgefüge – offenbart bei genauerer Betrachtung subtile Störungen, bewusste Un-regelmäßigkeiten und Verschiebungen. Die Differenz liegt im Inneren der Wiederholung selbst – sie ist nicht deren Gegenteil, sondern ihre immanente Bedingung.

 

Diese Bildlogik verweist zugleich auf aktuelle kunsttheoretische Diskurse über Serialität als epistemische Form. In einer von Algorithmen und digitaler Modularität geprägten Bildkultur zeigen Prokops Arbeiten, wie sich digitale Struktur und analoge Handarbeit in ein produktives Spannungsverhältnis bringen lassen. Die Werke scheinen wie Kommentare zu unserer Gegenwart, als visuelle Modelle einer nicht fassbaren Ordnung.

Wiederholung als Differenz verdeutlicht eindrucksvoll, wie Claus Prokop durch das Prinzip der Serialität nicht nur Strukturen im Bild, sondern Räume der Erfahrung im Außen entfalten lässt. In der Wiederholung erzeugt der Künstler spannungsgeladene Kompositionen, die stets auch zum Raumkörper werden, und nicht nur Fläche, sondern auch Volumen, Rhythmus, Bewegung und Zeitlichkeit beinhalten. In diesem erweiterten Verständnis wird Malerei zur räumlichen Konfiguration, Struktur zur offenen Ordnung und Wiederholung zum Medium der Differenz.

 

Fußnote: 1. Gilles Deleuze, *Differenz und Wiederholung*, übers. von Joseph Vogl, München: Fink 1992 (frz. Orig.: *Différence et répétition*, Paris 1968), v. a. Kapitel II und V.